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Frauen und Bier

 

„Ich trinke lieber Sekt“ oder „Bier ist mir zu herb“ – dass sind so typische Aussagen von Frauen, die ich immer wieder höre, wenn es um das Thema "Bier" geht. Bier gilt nach wie vor eher als männertypisches Getränk. Man braucht sich ja nur mal die Bier-Werbung im Fernsehen anschauen: normalerweise sieht man nur biertrinkende Männer an der Theke oder mit einer Flasche Bier in der Hand.  Wenn Frauen mit Bier zu sehen sind, dann meistens nur, weil sie es den Männern servieren.

 

Dabei war Bierbrauen ursprünglich einmal reine Frauensache und überhaupt steckt in Bier sehr viel mehr "Frau" als viele denken:

 

Bekanntlich war Bier bis ins späte Mittelalter hinein (also so etwa bis zum 16 Jhd.) ein Grundnahrungsmittel, d. h. jeder (und wirklich JEDER!) trank damals Bier. Denn das Wasser war häufig so verunreinigt, dass es krank machte. Also braute FRAU daraus ein einfaches dünnes Bier und schon war das Wasser keimfrei und somit unbedenklich zu trinken. Zur normalen Arbeit der Hausfrauen gehörte seinerzeit das Bierbrauen ganz selbstverständlich dazu wie auch das Brotbacken. Man bug und braute früher ja für den Eigenbedarf und versuchte, so viel wie möglich selber herzustellen.

 

Ein Braukessel gehörte damals zur Mitgift und wurde zur Hochzeit von der Braut mit in die Ehe gebracht. Auch fanden regelmäßig sog. "Bierkränzchen" statt, bei denen ausschließlich die Frauen ihre besten Biere mit ihren Freundinnen und Nachbarinnen tranken und bei der Gelegenheit neue Rezepturen austauschten.  Heute treffen sich die Frauen eher zum "Kaffeekränzchen", das seinen Ursprung aber tatsächlich vom besagten "Bierkränzchen" im Mittelalter hat. Nur wurde ab dem 18. Jhd. Kaffee und auch Tee "schick" und verdrängte immer mehr das Bier.

 

Sogar in der Zutatenliste von Bier findet sich etwas Weibliches: Neben Wasser, Malz und Hefe gehört Hopfen ins Bier. Doch nur die Dolden der weiblichen Hopfenpflanze eignen sich zum Bierbrauen, da diese eine antibakterielle Wirkung haben und damit das Bier länger haltbar bleibt.

 

Vielen Frauen schmeckt Bier heutzutage tatsächlich zu herb, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass fast ausschließlich "Pils" getrunken wird. Vor allem in Norddeutschland.  Charakteristisch für den Bierstil "Pils" ist der süffige, schlanke aber gleichzeitig auch etwas herbe Geschmack. Dies liegt am Brauverfahren und der relativ hohen Zugabe vor allem an Bitterhopfen.

 

Durch den aktuellen Craft-Bier-Trend kommen aber mittlerweile Biere auf dem Markt, die durchaus auch den Geschmacksnerv der Frauen treffen. Unter Craft-Bier versteht man handwerklich (craft) hergestellte Biere, die sich deutlich von der industriellen Massenware abheben. Craft-Bier-Brauern geht es vor allem um Qualität, Kreativität und Geschmack. So sind Craft-Biere nicht nur aromatischer  sondern durch das Filtern der Bitterstoffe etwas milder und süffiger. Das spricht besonders Frauen an. Hinzu kommt, dass Frauen generell etwas experimentierfreudiger als Männer sind.

 

Ein typisches „Frauen-Bier“ gibt es eigentlich nicht, denn auch bei den Damen variieren die Geschmäcker: die einen trinken lieber ein fruchtiges Bier während die anderen ein malziges Bier bevorzugen.

 Die Craft-Bier-Bewegung hat nicht nur in Deutschland einen neuen Genusstrend ausgelöst. Bei Biertastings die von Bierexperten durchgeführt werden, können die Teilnehmer neue Bierstile entdecken und Biervielfalt erleben. Auch die Kombination von Bier mit Essen (sog. „Foodparing“) oder die Zubereitung von Biercocktails wecken Neugierde und machen Lust aufs Probieren - für Männer aber auch für Frauen.